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Gedanken zu den Paulusbriefen | Kirchenkreis Egeln

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Gedanken zu den Paulusbriefen

Über Paulus kann ich Ihnen viel erzählen. Ich kann auch viel an ihm rumnörgeln, denn ich halte ihn für rechthaberisch, lustfeindlich und manchmal nimmt er sich selbst als einzigen korrekten Maßstab für das richtige Handeln...

Aber Paulus ist eben auch der, der weite und strapaziöse Reisen auf sich nimmt, um von seinem Gott zu erzählen.
Paulus lässt sich den Mund nicht von Menschen verbieten, von denen die mehr Einfluss haben als er - nicht mal im Gefängnis.
Dort schreibt er einen Brief nach dem anderen.
Ohne die Reisen, die Reden und die vielen (zum Teil auch echt besserwisserischen) Briefe wüsste heute kaum jemand etwas von Jesus und seiner frohen Botschaft. Wir wüssten nichts von der Auferstehung und dem ewigen Leben nach dem Tod und wir wüssten nichts über die liebevolle Begleitung durch Gottes Heiligen Geist...
Im Gefängnis schreibt Paulus einen zweiten langen Brief an die bunt gemischte Gemeinde in Korinth.
Er schließt mit folgenden Sätzen:

11 Zuletzt, Brüder und Schwestern, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.

12 Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen.

13 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Das Ende verwundert mich: Paulus schreibt, dass wir uns freuen sollen. Nach all den Ermahnungen und Zurechtweisungen schreibt uns Paulus (wohlgemerkt aus dem Gefängnis), dass wir uns freuen sollen. Und wir sollen uns mahnen lassen. Ist das ein Widerspruch? Teils, teils.

Ich glaube, er hat in einer Sache recht und die ist damals so aktuell wie heute:

Wir als heilige Gemeinschaft, als Gemeinschaft der getauften und gläubigen Christen, sind keine einheitliche Gemeinschaft. Auch nicht hier im Salzlandkreis. Und kurz vor den Wahlen ist das besonders spürbar.

Ja, wir sind unterschiedlich: Wir unterscheiden uns im Alter, im Geschmack, im monatlichen Einkommen und auch im Aussehen und unserer Muttersprache auch in unserer Familienplanung und Partnerwahl. Doch Angst und Neid gibt es auch unter Christinnen und Christen. Auch Christinnen und Christen beobachten andere Lebensgewohnheiten manchmal mit befremdlichem Staunen. Auch Christinnen und Christen haben vor der Landtagswahl Grund zur Unzufriedenheit. Aber wenn wir uns sicher sind, dass der Gott der Liebe und des Friedens mit uns ist, dann beteiligen wir uns nicht an der Jagd auf Sündenböcke. Wir müssen keine Denkzettel verteilen, sondern können unsere Stimme denen geben, denen wir zutrauen dieses sie das Land in den nächsten Jahren am besten gestalten.

Auch ohne das durch Corona geltende Abstandsgebot wäre ich maximal verstört, wenn mich alle Christinnen und Christen hier mit dem heiligen Kuss begrüßen würden. Und auch Paulus würde vielleicht anmerken, dass er das so nicht gemeint habe...

Kurz vor der Wahl kommt mir aber der Gedanke, ob eine Wahlentscheidung die mit Verstand und mit Herz, also in der Nachfolge Christi und aus Nächstenliebe nicht auch so etwas wie ein Heiliger Kuss sein kann...

Gottes Segen!
Ihre Johanna Bernstengel

Pfarbereich Gatersleben